2009-04-23 Freie Presse: Der Madendoktor, Krimis und Weltbuchtag

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Quelle: Freie Presse, Kultur, 23. April 2009, Seite A8


Der Madendoktor, Krimis und Weltbuchtag

Kriminalbiologe Mark Benecke sucht die Wahrheit anders als erfolgreiche Ermittler in Büchern - Blut, Haare, sowie Insekten sind seine "Zeugen"

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VON GRIT STRIETZEL

Heute ist der Unesco-Welttag des Buches. Am 23. April - dem Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes (Autor von don Quijote) - wird seit 1995 auf die Bedeutung der Literatur aufmerksam gemacht. Morgen dann starten in Chemnitz die 4. Ostdeutschen Krimitage.

Chemnitz. Wer heutzutage gern liest, hat genau genommen zwei Probleme: Denn es gibt viel zu viele Bücher, und man trifft kaum noch jemanden, der das Gleiche gelesen hat. 95.000 Bücher erscheinen jährlich in Deutschland. Darunter etwa 800 Krimis - ein Genre, das seit Jahren die Menschen zwischen Hamburg und München gleichermaßen fesselt. Doch was fasziniert Außenstehende an Mord und Totschlag?

Einer, der es wissen muss, ist Mark Benecke. Der promovierte Kölner Kriminologe erreichte nach zahlreichen Auftritten in TV-Serien Kultstatus, weil er als "Madendoktor" schwierige Mordfälle anhand von Insektenlarven auf Leichen löste. "Es macht Spaß, ab und zu das Tor zur Hölle aufzureißen und zu gucken, wie es aussieht im Bösen, Schlimmen, Entsetzlichen", erklärt er die Faszination von Krimis auf Unbeteiligte. Denn: Die traurigen und blutigen Geschichten sind für den Leser erträglich, "weil ein anderer den ekligen Job macht".

Der Alltag von Mark Benecke hat aber nichts mit den erfolgreichen forensischen Ennittlern in Büchern oder TV·Serien zu tun. "Wir bewerten nur Spuren - wie Sperma, Haare, Blut und die Insektenbesiedlung von Leichen", erzählt er. Die Ermittlungsarbeit erledige hingegen die Polizei - zwei völlig getrennte Jobs, die in der Fiktion oft von einem Team erledigt werden.

"Wie könnte es sich zugetragen haben?", das ist die Kernfrage, die Mark Benecke zu klären versucht. Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger fertigt er Gutachten für Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, die Polizei oder auch Privatpersonen an. "Wir nehmen die von der Polizei sichergestellten Spuren und versuchen sie zu erklären." Ob seine Erkenntnisse letztlich zu einer Verurteilung eines Verdächtigen führen, interessiert Benecke nicht: "Was mit dem Gutachten gemacht wird, ist nicht mehr meine Aufgabe." Er untersuche beispielsweise, ob bestimmte Insektenlarven auf Leichen am Fundort vorkommen und könne dann sagen, ob Fund- und Tatort übereinstimmen. Die Polizisten müssten die Erkenntnis bei den Ermittlungen verwenden.

Maden waren es, die mithalfen, einen Pastor wegen Mordes an seiner Frau zu verurteilen. "Man schickte mir die Maden per Flieger nach New York, wo ich damals ar beitete." Die weißen Weichtiere waren am Kopf der Getöteten sichergestellt worden. Benecke grenzte ihr Alter nach umfangreichen Untersuchungen auf 2,9 bis 3,5 Tage ein. Für diese Zeit hatte der Geistliche kein Alibi. "Mir geht es nur um die Wahrheit", sagt Benecke, auch wenn er mit dieser Suche manchmal verurteilten Mördern hilft, ihren Prozess neu aufzurollen.

Schriftsteller haben es da besser. Sie sind nicht der Wahrheit verpflichtet, Bei den 4. Ostdeutschen Krimitagen, die morgen in Chemnitz eröffnet werden, geht es also keineswegs um reale Fakten und deren wissenschaftliche Interpretation, sondern um literarische Fiktion. Hass, Neid, Gier und Eifersucht gibt es zur langen Kriminacht im Chemnitzer Tietz genug. Spannung natürlich auch.

INFO-BOX
Ostdeutsche Krimitage
Bis Mitte Juni finden in Sachsen die 4. Ostdeutschen Krimitage statt. Unter dem Motto "Mord-Ost" bieten zahlreiche Veranstaltungen Einblicke in schriftstellerische Verbrechen. Einen besonderer Höhepunkt der Reihe gibt es morgen im Chemnitzer Kuturkaufhaus ,Tietz". 20.30 Uhr beginnt die lange Krimi-Nacht, bei der sechs Autoren aus ihren Fällen lesen. Der "Madendoktor" Mark Benecke berichtet Anfang Juni in Chemnitz, Zwickau und Dresden über authentische spektakuIäre Kriminalfälle. Informationen zu den Veranstaltungen stehen im Internet (st).


Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Emergency Text / SMS for crime cases only +49-173-287-3136. Absolutely no social networks & newsletters. Never send .doc, .ppt, .xml -- .rtf and .pdf only. Tx!