2008-06-11 Klausurersatzleistung Wohlers & Otto: Forensische Entomologie

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Forensische Entomologie

Klausurersatzleistung von Julia Wohlers und Ann-Kathrin Otto
Biologie Ergänzungskurs (Vs), Herr Ruben
Abgabetermin: 11. Juni 2008

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Forensische Entomologie (Interpretation von Insektenfunden)

Contents

Die Forensische Entomologie befasst sich mit der Untersuchung von Leichen mit Hilfe von Insektenfunden. Diese geben unter anderem Aufschluss über die Todesumstände. In unserer Klausurersatzleistung haben wir uns näher mit diesem Thema beschäftigt und sind auf unsere Frage „Wie kann man anhand der Insektenentwicklung den Todeszeitpunkt bestimmen?“ näher eingegangen. Hierzu haben wir ein Portfolio erstellt. Wir haben uns für dieses Thema entschieden, da uns der genaue Hintergrund der Forensischen Entomologie nicht bekannt war. Dieses Thema haben wir als sehr interessant empfunden und es hat uns Spaß gemacht mehr darüber in Erfahrung zu bringen.


Forensische Entomologie - Allgemein

Die Forensische Entomologie ist ein Zweig der Forensik. Durch die Insektenbildung an Leichen können Hinweise gesammelt werden. Dies sind Hinweise auf die Todesursache, Todesumstände und Leichenliegezeit. Entomologie bedeutet „Insektenkunde“ und kommt aus dem Griechischen. (éntomos= eingeschnitten, gekerbt) (logos= Kunde, Lehre) Forensik stammt vom lateinischen Wort „forum“ und wird im Sinne von gerechtlich gebraucht. Ein organischer Körper wird u.a. durch Bakterien, Pilze und Insekten zersetzt. Es sind z.B. Insekten wie Maden, Schmeißfliegen, Käsefliegen, Fleischfliegen und Käfer wie die Aaskäfer (z.B. Speckkäfer). Sie werden von den Duftstoffen angezogen, die bei der Verwesung entstehen oder sie ernähren sich von den Insekten.


Was macht ein Forensischer Entomologe?

Ziele der Forensischen Entomologie

Die Ziele sind es, bestimmte Fragen zu beantworten:

  • Wann ist eine Person zu Tode gekommen?
  • Wie lange lag ein Körper an einer bestimmten Stelle?
  • Ist die Fundstelle der Tatort?
  • Befinden sich Gifte oder Bakterien in dem verwesten Körper?
  • Gibt es eine Eingrenzung möglicher Täter?
  • Lag die Leiche z.B. in einer Kiste oder Tonne? Wurde diese geöffnet?
  • War eine Person an dem Leichenfundort?

Ausbildung eines forensischen Entomologen

Ein Forensischer Entomologe absolviert ein Studium der Biologie. Dabei spezialisieren sich die meisten während ihrer Studienzeit auf die Gebiete Mikrobiologie bzw. Genetik. Er benötigt ebenfalls Wissen im Bereich der Kriminalistik.

Ausstattung eines Forensischen Entomologen

Die Grundausrüstung eines Forensischen Entomologen sind eine Digital-Kamera, ein Taschenmesser, eine Taschenlampe, einen Vierkantschlüssel, aufklebare PVC- Millimeterskalen, eine Pinzette und einen Schutzanzug. Meistens besitzen sie für ihre Arbeit ein technisch anspruchsvolles Labor mit Computer und Aufzucht-Container für die Insekten, dort kann die Temperatur zwischen 18 und 28° reguliert werden und er sorgt für den Tagesablauf mit 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit.


Goldene Regeln zum Sammeln von auswertbaren Insektenbeweisen

Goldene Regeln

  • Außentemperatur an der Leiche häufig messen → vom Fundort bis zur Obduktion
  • Fotonahaufnahmen der befallenen Körperteile
  • Fundort beschreiben, auch auf erwachsene Fliegen achten, in Wohnungen: Fenster offen?
  • Ansprechpartner bei der Polizei für Detailfragen zur Fundortumgebung angeben
  • Größte Made in 70% Ethanol in ein Lagerungsgefäß legen, mit Fundort und zeit beschriften
  • Lebendige Maden in ein Gefäß mit feuchtem Papier legen
  • Auch eine unvollständige Asservierung kann eine kriminalistische Frage beantworten


Welche Insekten findet man an Leichen?

  • Schmeißfliegen
  • Aaskäfer
  • Stutzkäfer
  • Kurzflügelkäfer
  • Käsefliegen
  • Pelzkäfer
  • Schinkenkäfer
  • Speckkäfer
  • Teppichkäfer
  • Totengräberkäfer
  • Asseln
  • Milben
  • Motten
  • Hundertfüßler
  • Spinnentiere

Eine Leiche wird von vielen verschiedenen Insekten besucht. Die ersten Besucher sind die Schmeißfliegen, da die Larven sich nur von weichem Gewebe ernähren. Unterschiedliche Besiedlungswellen leben von ihrer eigenen Artenvielfalt.
→ „frischtot“
→“beginnende Fäulnis“
→“Fette“
→“käseartige Produkte“
→“ammoniakalische Fäulnis, Schwärzung“
→“beginnende Vertrocknung“
→“starke Vertrocknung“
→ „Skelettierung“

Nach drei Monaten siedeln sich die Käsefliegen an der Leiche an, um ihre Brut dort abzulegen. Es siedeln sich bis zu 10.000 Larven an einer käsigen Leiche an. Das Gewebe ist zu diesem Zeitpunkt breiig. Diese Art von Fliegen kann sich wegkatapultieren, wenn sie sich verfolgt fühlen. Daher ist das Erkennen dieses Insektes sehr schnell und einfach. Wenn sich der Körper auflöst und verwest, kommen die Latrinenfliegen.
Gegen Ende der Verwesung siedeln sich die Käfer an der Leiche an. Die Käfer zersetzen nicht nur den Rest der Leiche, sondern ernähren sich noch von den Larven auf dem Körper. Zu diesen Käfern gehören die Teppichkäfer, die Museumskäfer und die Schinkenkäfer. Sie ernähren sich von dem verwesten Fleisch der Leiche. Die Speck- und Pelzkäfer sind in den Haaren und auf dem trockenen Gewebe der Haut zu finden. Wenn kein weiches Gewebe mehr vorhanden ist, krabbeln die Käferarten auf der Leiche. Die Speckkäfer werden maximal 10mm groß. Trotzdem kann man sich nach Monaten noch in Schränken etc. finden. Waldmistkäfer werden im Gegensatz zu den Speckkäfern größer, 12 bis 19mm,. Diese Art von Käfern ist massenhaft auf Waldleichen zu finden. Für seinen Brutbau trägt er trockenes Gewebe der Leiche ab. So können Verletzungen entstehen, welche auf Kapitalverbrechen hindeuten können.


Wann tritt welches Insekt auf?

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Anhand dieser Abbildung kann man sehr gut erkennen, wann welches Insekt auftritt. Das bedeutet, ist die Leiche frisch, siedeln sich überwiegend Schmeißfliegen an die Leiche an, ist sie überwiegend trocken, siedeln sich hauptsächlich Buckelfliegen an.


Stadien des Insektenbefalls

Jedes Insekt nutzt nur ein ganz bestimmtes Verwesungsstadium der Leiche. Dieses gibt es in mehr als hundert unterschiedlichen Arten. Die Zusammensetzung der Insektenarten, sowie Alter und Größe sind typisch für bestimmte Leichenzersetzungsstadien. Die zeitliche Abfolge der Besiedlung steht auch in Abhängigkeit zum Klima und zum Fundort. Änderung in der Artenzusammensetzung verschiedener Pflanzen- und/ oder Tierbestände nennt man Entwicklungsreihe (Sukzession).


Die Entwicklungsstadien der Schmeißfliege

Die Schmeißfliege wird auch Calliphoridae genannt. Sie erscheint häufig bereits wenige Minuten oder Stunden nach Todeseintritt an der Leiche. Schwangere Schmeißfliegenweibchen können eine frischtote Leiche über Hunderte von Metern riechen → diese fliegen die Leiche sofort an und legen ihre Eier ab.

Die Fliege hat eine vollständige Entwicklung vom Ei über die Larve. Diese verpuppt sich und das Imago (Vollinsekt) kann schlüpfen. Erst das Imagostadium besitzt Flügel. Die Länge der Phasen zum Vollinsekt ist von Art zu Art immer unterschiedlich. Die Entwicklungszeit hängt stark von den Außentemperaturen ab. Scheißfliegen legen sicherheitshalber Eipakete (100-500 Eier; je 1mm groß)) ab, da ihre Eier und Larven ideale Beute für Käfer und Vögel darstellen. Bei warmen Wetterverhältnissen schlüpfen nach 10-16 Stunden aus den Eiern weiße Larven. Die Larven der Schmeißfliege werden auch als Maden bezeichnet. Diese mögen kein Licht und versuchen sich vor der Austrocknung zu verstecken. Larven werden bis zu einem cm groß, häuten sich zweimal, leeren ihren Darm aus und verpuppen sich anschließend in „Tönnchen“. Die Tönnchen reißen an bestimmten Sollbruchstellen auf und die Imago kann schlüpfen. Im Sommer dauert die Entwicklung nur eine Woche. Nach 60-70 Tagen stirbt es wieder. Insekten sind wechselwarme Tiere, das bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur kaum selbst regeln können. Ebenso hängt die Entwicklungszeit auch stark von Umweltbedingungen ab. Gute Umweltbedingung ist ein warmes feuchtes sommerliches Klima. Die Schmeißfliegen legen ihre Eier nicht in der Dunkelheit ab.
Wichtige Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmale sind Augenabstände, die Farbe der Backen sowie die Anordnung der Antennen. Auch der Geschlechtsapparat ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, da Fliegen sich nur mit eigenen Artgenossen fortpflanzen können. Die Geschlechtsapparate passen wie der Schlüssel in das Schloss. Daher ist die Paarung mit anderen Tieren ausgeschlossen. Heutzutage können auch tote Maden sehr leicht bestimmt werden, da man die DNA der Tiere entschlüsselt hat.

Grafik zur Entwicklung der Schmeißfliege

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Es findet bald nach Todeseintritt eine Besiedlung von Schmeißfliegen statt, wenn es warm ist und die Leiche nicht völlig hermetisch von der Außenwelt abgeschossen ist.

Abbildung
1. Eier werden an feuchten Stellen abgelegt (Mund- und Nasenbereich)
2.-4. Innerhalb eines Tages schlüpfen die Larven → häuten sich im Verlauf ihrer Entwicklung 2x → durchlaufen 3 Stadien; am Ende des dritten Stadiums wird Ernährung eingestellt und die Leiche verlassen
5. Larve kontrahiert sich vor der Verpuppung
6. zigarrenförmiges Puparium („Tönnchen“) wird angelegt (Umwandlung zur erwachsenen Fliege)
7. Schlupf und Reifungsphase, danach erfolgt die Kopulation
Der Zyklus beginnt von Neuem.


Die Liege- und Todeszeitbestimmung

Je nachdem welche Insektenarten an der Leiche vorhanden sind bzw. deren Entwicklungsstadien, (Eier,Larven) bieten Hinweise auf den Todeszeitpunkt oder auf die Liegezeit des Leichnams. Die Insekten haben dort ihre Brutstelle oder Nahrungsquelle.
Bis zu 20 Arten siedeln sich in den ersten 4 Wochen an und bis zu diesen 4 Wochen kann der Todeszeitpunkt genau bestimmt werden. Fliegenlarven schlüpfen nach 1-2 Wochen und Käfer nach 4 Wochen. Außerdem können bei Käfern Aussagen über größere Zeitabstände gemacht werden.
Bei Maden können Aussagen über kürzere Zeitintervalle gemacht werden. Der Verwesungszustand und der Feuchtigkeitsgrad spielt eine wichtige Rolle für die Insektenentwicklung. Beginn der Untersuchungen ist die Bestimmung der Artzugehörigkeit und des Entwicklungstandes der Insekten. Exakte Bestimmungen der Insektenarten sind von großer Bedeutung. Zu den exakten Bestimmungen zählen zum Beispiel die Größe, die Farbe und Körperanhänge wie z.B. Borsten, Antennen, Spirakel und ebenso auch der Verhärtungsgrad der Körperhülle.
Für das geübte Auge sind diese auch ohne Mikroskop zu erkennen. Danach werden Fotos und Untersuchungsexemplare verglichen.
Da die ältesten Tiere für die Todeszeitbestimmung am wichtigsten sind, sollte man diese als erstes anschauen. Nach diesem Schritt sollten die Arten ausgeschlossen werden, die es nicht sein können. Eine Artenbestimmung ist anhand der Puppen und Larven nicht immer zuverlässig durchführbar. Für die exakte Larvenbestimmung bedarf es oftmals einer Aufzucht der Larven, welche sehr zeitaufwendig ist. Durch eine DNA-Analyse kann man das Problem schneller und einfacher lösen. Diese Methode ermöglicht eine Bestimmung der Insektenart, wenn es dem Entomologen auf klassische Art und Weise eigentlich unmöglich ist. Ebenso ist diese Bestimmung auch eine große Hilfe bei älteren Leichen.
In Zukunft soll es Datenbanken geben in denen Fliegenlarven unter verschiedenen Bedingungen, wie schwankende Temperaturen usw. herangezüchtet und die gewonnen Erkenntnisse gespeichert werden. Der Todeszeitpunkt lässt sich dann festlegen, wenn die Datenaufnahme gründlich durchgeführt wird. Wenn die Insektenart feststeht kann der Entwicklungsstand und das Alter Aufschluss geben.
Die aufgefundenen Maden werden gemessen und gewogen. Die Länge gibt dann Auskunft über das Entwicklungsstadium und daran kann man dann wiederrum den Schlüpfzeitpunkt errechnen. Und dieser wiederrum gibt Auskunft über den Eiablagezeitpunkt und da die Fliegen wenige Minuten oder Stunden benötigen, um die Leiche zu finden, kann durch den Eiablagezeitpunkt der Zeitpunkt errechnet werden, an dem die Leiche abgelegt wurde. Bei zu hohen oder niedrigen Temperaturen, großer Helligkeit, starkem Wind oder zu großer Trockenheit ist eine Besiedlung von Insekten kaum oder gar nicht möglich.
Wenn der Leichnam schon mehrere Wochen alt ist, kann es sein, dass an der Leiche nicht die erste, sondern schon die zweite oder dritte Generation vorhanden ist. Die Anzahl von Insektengenerationen ist für die Eingrenzung von Bedeutung, dies erkennt man am gleichzeitigen Vorkommen von Maden und leeren Puppenhülsen in Leichennähe. Jede Insektenart ist nur zu einer bestimmten Zeit des Jahres aktiv, daher muss man zuerst feststellen wann welche Insektenart aktiv ist. Durch die Eingrenzung des Todeszeitpunktes kann eine Tatzeitermittlung und somit eine Alibiüberprüfung durchgeführt werden.


Ortsbestimmung

Wo sich ein Leichnam einmal befunden hat, kann ebenfalls durch Insektenfunde bestimmt werden (vorgefundene Insekten und Entwicklungsstadien). Viele Insektenarten wohnen in bestimmten Lebensräumen. Dies sind sogenannte „Habitate“. Wenn Insekten an einem Leichnam vorhanden sind, die für die Umgebung untypisch sind, dann kann daraus gefolgert werden, dass die Leiche vorher an einem anderen Ort gelegen hat. Die Umgebung kann durch die Insekten bestimmt werden.


Abhängigkeiten von bestimmten Einflüssen

Nicht nur die Insektenfauna hat einen großen Einfluss auf die Zersetzung des Leichnams, sondern auch Temperatur, Feuchtigkeit, Fundort, dessen Beschattung und das Nahrungsangebot der Insekten. Der Zerfall eines Körpers geht an der Luft schneller voran als im Wasser und dort wiederum schneller als bei einer Leiche im Erdgrab.

Lichteinflüsse

Die Schmeißfliege bevorzugt zur Eiablage schattige Plätze. Im Leichenhaus des Wiener Institutes wurde 1981, 1982 und 1983 beobachtet, dass an sonnigen, heiteren Tagen eher eine Eiablage stattfand als an bedeckten und regnerischen Tagen.
Die Oviposition (Eiablage) findet tagsüber statt, allerdings wurde auch schon eine Eiablage während der Dunkelheit beobachtet. Bei Zimmerleichen ist es von großer Bedeutung, ob der Raum ein Fenster hat, welche Größe es hat und ob es nach Norden oder Süden ausgerichtet ist. Danach richtet sich die Helligkeit und Sonneneinstrahlung und somit auch der Lichteinfluss auf die Insekten.

Temperatur

Die optimalen Bedingungen für Insekten ist ein feucht-warmes Klima. Die Temperatur hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung und das Wachstum von Larven. Larven können ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln, somit ist ihre Entwicklung von Einflüssen ihrer Umgebung abhängig. Bei guter Umgebungstemperatur können Larven bis zu einer bestimmten Größe (ca.17,6-18,2mm) heranwachsen, jedoch wachsen sie bei hohen Temperaturen nicht so schnell wie bei kühleren Temperaturen.
Freiliegende Leichen werden zur warmen Jahreszeit eher von Insekten besiedelt, da der Zersetzungsvorgang der Leiche an warmen Tagen besser abläuft, dadurch werden wieder mehr Insekten angezogen und der Vorgang wird noch einmal beschleunigt. Die Zeit zwischen der Eiablage und der Verpuppung beträgt bei einer Temperatur von 23-30 Grad ca. 6-7 Tage. Die Zeitspanne von der Verpuppung bis zum Schlüpfen des Imago (geschlechtsreife Vollinsekt) ungefähr 8 Tage. Das Wachstum der Länge der Maden beträgt ca. 1-3 mm pro Tag. Bei niedrigeren Temperaturen dauert das Eistadium bis zur Verpuppung ungefähr 11-12 Tage und das Wachstum der Maden beträgt ca. 0,5-2 mm pro Tag. Wenn es regnet oder sehr kalt wird verschwinden die Maden in der Körpertiefe. Somit nimmt die Madenlänge in der Winterruhe ab. Ist es sehr kalt und trocken, kann die Zersetzung einer Leiche bis über ein Jahr andauern. Wenn die Temperatur unter 10 Grad liegt, dann legen mitteleuropäische Insekten keine Eier mehr ab. Dadurch kann es dann zu einer Mumifizierung der Leiche durch Austrocknung kommen.


Nachweis von Stoffen

Es können ebenfalls Gifte oder Medikamente bei dem Leichnam vorhanden sein. Wenn dieser bereits zu stark zersetzt ist, können Insekten weiter helfen, da sie beim Fressen der Gewebeteile auch die Inhaltsstoffe in sich aufnehmen.


Sind Manipulationen möglich?

Manipulationen des Täters sind fast komplett auszuschließen. Viele Menschen kennen gar nicht die Forensische Entomologie und die damit verbundene Bestimmung des Tatzeitpunktes, -ortes usw. Normalerweise kennen sich Täter nicht so mit Fliegen aus, das sie dies manipulieren könnten. Dafür wäre ein enormes Wissen notwendig, um den Insekten zu schaden. Käsefliegenmaden können z.B. ein 10-minütiges Salpetersäurebad überleben. Wie auf Mark Beneckes Seite geschrieben, könne sich Insekten vor Verbrennungen sogar im Schädel der Leiche verstecken und sich so in Sicherheit bringen. Sogar in Wasserleichen ist eine Insektenbesiedlung möglich, wenn die Leiche an der Wasseroberfläche treibt durch irgendwelche Gegenstände wie ein Rettungsring oder durch die Faulgase. Falls die Leiche weit getrieben wird können ebenfalls unterschiedliche Insekten an ihr vorhanden sein und eine Tatortbestimmung wäre möglich.


Wird die Arbeit eines forensischen Entomologen vor Gericht anerkannt?

Ja, die Arbeit eines forensischen Entomologen wird vor Gericht anerkannt, genau wie andere Sachverständige auch vor Gericht anerkannt werden. Die Arbeit eines Entomologen liefert Sachbeweise, die nur Fragmente der Wirklichkeit beleuchtet. Einen forensischen Entomologen sollte daher die Schuldfrage nicht interessieren.


Fallbeispiele

Dieses ist ein ganz bekannter Fall, den Mark Benecke aufgeklärt hat.

Ameise entlarvte den Täter
Der Fall wäre sicherlich nie restlos aufgeklärt worden, hätte nicht die Kriminalpolizei den Kölner Experten für forensische Entomologie Dr. Mark Benecke und den Ameisenforscher Dr. Bernd Seifert vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Görlitz zu Rate gezogen. Beide Forscher hatten an der Auflösung des 1997 als "Pastorenmord" in die Schlagzeilen geratenen Falls entscheidenden Anteil. "Aus der Größe dreier Schmeißfliegenmaden zu schließen, konnte die Frau nicht länger als drei Tage tot sein", stellte der Kölner Kriminalbiologe damals fest. Als wichtigstes Indiz entpuppte sich eine einzige Ameise, die an den Stiefeln des beschuldigten Geistlichen klebte. Verdächtig war dies deswegen, weil auch auf dem Mordopfer etliche Ameisen derselben Art krabbelten. Als der Ameisenexperte dann nachweisen konnte, dass die offensichtlich "zertretende" Ameise höchstwahrscheinlich von einer Ameisenart stammte, die nur in der Nähe des Tatortes heimisch war, schien der Fall sonnenklar. In einem aufwändigen Indizienprozess wurde der Ehemann der Ermordeten wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt.

Der erste Fall, bei dem Fliegen zur Aufklärung helfen
Diesen Fall gab es zu aller erst im 13. Jahrhundert in China. Ein Mord geschah in einem Reisfeld. Die Tatwaffe war eine Sichel. Daraufhin wurden alle Bauern mit Sicheln zum Marktplatz gerufen und nach einer gewissen Zeit setzten sich die Fliegen auf die Sichel eines Bauerns, da diese noch Blutreste besaß. Daraufhin gestand der Bauer die Tat.


Aktueller Forschungsstand und Weiterentwicklung

Die Forensische Entomologie ist relativ unbekannt, sie ist erst seit wenigen Jahren in Deutschland bekannt. In anderen Ländern werden Insektenkundler regelmäßig zu Fällen hinzugezogen, wie in den USA, Kanada und Frankreich. Dort gibt es zusätzliche Ausbildungen für diesen Bereich und die Mitarbeiter werden unterstützt mit Laboren. Es gibt nur wenige Wissenschaftler dieser Art auf der Welt. In Amerika und Europa gibt es jedoch die meisten. In Deutschland gibt es nur 2 Labore für diese Art von Wissenschaft. Dies ist einmal das Institut Senckenberg in Frankfurt und das andere befindet sich in Köln und wird von Mark Benecke geleitet. Die Forschung ist so weit entwickelt, dass es bald einen Katalog für Insekten geben soll, der weltweit gelten soll. Zusätzlich wurde ein PC- Programm entwickelt, das das Alter der Insekten berechnet. Dafür müssen Größe und Besonderheiten berücksichtigt werden. Dieses Programm soll jedoch nachgebessert werden, um eine genauere Altersangabe unter bestimmten Voraussetzungen zu erhalten. Momentan wird an der abweichenden Entwicklungszeit der Maden wenn sie sich von Giften ernährt haben geforscht. Die DNA der Insekten wird ebenfalls weiter erforscht.


Schluss

Wir finden es bemerkenswert, dass durch die Insekten sogar Mordfälle aufgeklärt werden können. Da dieses Gebiet weitgehend unbekannt ist finden wir es wichtig, dass es weiter erforscht und verbreitet wird. Dieser Berufszweig ist jedoch nichts für schwache Nerven, da er eine große psychische Belastung aufweist. Wir fanden es sehr erstaunlich welche Auskunft die Insekten über eine Leiche geben können. Wie die Information ob eine Leiche in einer Tonne oder ähnlichem gelegen hat und ob diese geöffnet worden ist oder nicht.
Ebenfalls ist uns unsere Fragestellung, wie man den Todeszeitpunkt bestimmen kann klar geworden.


Interview

Zu unserem Thema „die Forensischen Entomologie“ haben wir den Kriminalbiologen Mark Benecke interviewt.

Mark Benecke ist einer der bekanntesten Kriminalbiologen in Deutschland. Er wurde am 26.8.1970 geboren. Im Alter von 19 Jahren machte er sein Abitur am Alexander-Humboldt Gymnasium in Köln, anschließend folgte ein Jahr lang sein Zivildienst. Danach studierte Mark Benecke Biologie an der Universität in Köln. Während seines Studiums jobbte er nebenbei bei der Gerichtsmedizin. Zusätzlich absolvierte er noch diverse Zusatzausbildungen in den USA. Nun lebt er im Alter von 37 Jahren in einem Mietshaus in der südlichen Altstadt von Köln.


Hallo Mark Benecke,
wie geht es dir/Ihnen?

Wir kommen von dem Luisengymnasium in Bergedorf. Die Adresse unserer Schule findet du/Sie am oberen bzw. unteren Briefrand. Wir besuchen die Klasse 11c und schreiben, wie schon gesagt, eine Hausarbeit in dem Fach Biologie Ergänzungskurs. Unsere Arbeit ist noch in Bearbeitung und wir werden dir/Ihnen diese sobald wie möglich per E-Mail als Datei zusenden. Als Anhang schicken wir dir/Ihnen unsere Fragen an dich/Sie.

Schon mal vielen Dank im Voraus.
Viele liebe Grüße, Julia Wohlers und Ann-Kathrin Otto
PS: Falls du/Sie irgendwelche Fragen hast melde dich per Mail oder unter folgender Nummer:0172/407983


Interview mit Mark Benecke


1. Haben sie vor Ihrer Tätigkeit einen anderen Beruf ausgeführt? Wenn ja, wieso haben sie gewechselt?

Nö, ich hab Biologie studiert und bin dann gleich Kriminalbiologe geworden. Siehe Benecke → ABOUT INTERVIEWS

2. Seit wann führen Sie diesen Beruf aus?

Das erste Praktikum in der Rechtsmedizin hab ich ca. 1992 gemacht. Seitdem beschäftige ich mich ernsthaft mit Kriminalbiologie.

3. Wie kommen Sie zu diesem ungewöhnlichen Beruf?

Zufall, weil ich in der Rechtsmedizin das Praktikum gemacht habe. Siehe auch beiliegende INTERVIEWS.

4. Was sind Ihre Tätigkeiten? Mit wem treten Sie in Ihrem Beruf in Kontakt, abgesehen von Leichen?

Ich untersuche biologische Spuren: Blut, Haare, Speichel, Urin, Insekten, Kot, manchmal auch Algen und Efeu - alles, was am Tatort so vorkommt,  
auch Hautzellen, Sperma usw. -- Notfalls leite ich es an Kolleginnen weiter.

5. Wie läuft Ihr Alltag ab? Gibt es bestimmte Zeiten für Ihre Tätigkeiten?

Jeder Tag ist völlig verschieden. Ich sitze viel am Schreibtisch. Siehe auch BENECKE.COMTALKS

6. Haben Sie ein Labor, Büro oder ähnliches?

 Ja, 1 Büro und einen Kursraum. BENECKE.COMTRAININGS (& Fotos dort)

7. Wie werden Sie über einen Leichenfund benachrichtigt?

Jemand ruft an: Polizei, Angehörige, Presse – wens halt grad interessiert.

8. Wie viele Fälle behandeln Sie durchschnittlich im Monat?

Schwer zu sagen, was alles ein „Fall“ ist. Jede Menge Anfragen jedenfalls.

9. Wie sind Ihre Arbeitszeiten? Arbeiten Sie auch nachts?

Ich arbeite immer, wenns geht auch nachts, ja.

10. Wie weit reisen Sie, um Fälle aufzuklären?

Egal…nur nicht per Schiff, da wird mir schlecht ☺

11. Gibt es noch mehr Forensische Entomologen, mit denen Sie sich Ihre Arbeit teilen?

Meine Kolleginnen Saskia und Tina, ja. Beide promovieren gerade über Insekten auf Leichen (Rechtsmed. Bonn und Köln)

12. Wie gehen Sie damit um, eine Leiche vor sich zu sehen?

Mir wurscht, ist ja nur der Spurenträger.

13. Können Sie in Ihrer Freizeit abschalten?

Ich brauch zum Glück nicht abschalten ☺

14. Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Job?

Dass jeder Tag anders ist.  

Quellen

Internet:

  • www.google.de (Forensische Entomologie)
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Forensische_Entomologie
  • http://www.benecke.com/larissa.html
  • http://www.lerntippsammlung.de/Forensische-Entomologie.html
  • http://wiki.benecke.com/index.php?title=2000-10_Kriminalistik:_Asservierung_von_Insekten_an_Leichen#1
  • http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/397433
  • http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/delta/109259/index.html
  • http://www.abendblatt.de/daten/2005/07/09/456955.html
  • http://www.medizinstudent.de/uploads/tx_dcmedstudscripts/7262_entomologie.pdf
  • http://wiki.benecke.com/index.php?title=2001-02-28_Christina_Wiebusch:_Facharbeit_Forensische_Entomologie
  • http://www.benecke.com/pdf-files/enzyklop.pdf
  • http://parasit.meb.uni-bonn.de/~maezo/tagungen/tagung05/vortrag_amendt.html
  • http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14024/1.html


Bücher:

  • Basiswissen Rechtsmedizin von Burkhard Madea, Reinhard Dettmeyer
  • Death Detectives- dem Tod auf der Spur: Eine Einführung in die forenische Entomologie von Heike M.E. Andree
  • Wörterbuch der Medizin von Zetkin/Schaldach
  • Biologische Spurenkunde: Kriminalbiologie von Bernd Herrmann, Klaus-Steffen Saternus
  • Spurenkunde: Sicherung und Verwertung von Tatortspuren Von Hans Heinrich Huelke



Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Emergency Text / SMS for crime cases only +49-173-287-3136. Absolutely no social networks & newsletters. Never send .doc, .ppt, .xml -- .rtf and .pdf only. Tx!