2007-10-17 KSTA: Aliens, Vampire und Tatort Biotonne
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Quelle: KStA (Kölner Stadt-Anzeiger), 17.10.07, Ausgabe Rhein Berg
[Fotos vom Vortrag gibts hier]
Aliens, Vampire und Tatort Biotonne
VON MICHAELA PAUS
Bergisch Gladbach - Die Zuschauer hatten die Wahl: Zu seinem Lichtbild-Vortrag im gut besetzten Bergischen Löwen brachte Mark Benecke, bekannter Kriminalbiologe, Gutachter und Buchautor, acht Themen zum Abstimmen mit. Die reichten von einer schräg klingenden „Alien-Autopsie“ und Vampiren bis hin zu eher trocken wirkender Materie („Genetische Fingerabdrücke“, „Biotonnen-Tatort“).
Das Publikum entschied sich für „Insekten auf Leichen“. Schließlich hat sich Benecke (Jahrgang 1970) einen internationalen Ruf als Spezialist auf dem Gebiet der forensischen Insektenkunde und als „Herr der Fliegen“ erworben. Im ersten Teil des dreistündigen Vortrags widmete er sich zunächst dem anderen Wahl-Thema: „Aktueller Blutspuren-Tatort in Franken“. Was mordsmäßig spannend klang, entpuppte sich schnell als Dokumentation einer mühsamen Spurensuche. Gleich zu Anfang hatte Benecke betont, dass sich viele Menschen seinen Job spannender vorstellen, als er ist. Das bewies er nun nicht nur mit leicht schrägen Bildern von seiner Bahnreise nach Franken, sondern auch mit unzähligen Fotos, die die äußerst aufwändige Recherche am Tatort zeigten. Der Hintergrund: Eine Seniorin wurde mit 50 Messerstichen in den Brustkorb ermordet; beschuldigt und verurteilt wurde ihre Tochter, die aber behauptet, unschuldig zu sein. Deshalb haben der promovierte Biologe und seine studentischen Mitarbeiter das Haus des Opfers noch einmal nach Blutspuren abgesucht.
Ein schwieriges Unterfangen, denn es war voll gestopft mit Krimskrams, der minutiös überprüft werden musste. Zudem war die Rekonstruktion des blutigen Geschehens erschwert, weil „fleißige“ Nachbarn den Tatort frühzeitig aufgeräumt hatten. Mark Benecke betonte, sich über niemanden lustig machen, niemanden beschuldigen oder kritisieren zu wollen. „Ich will nur zeigen, wie gefährlich es sein kann, Annahmen zu machen und Schlüsse zu ziehen.“ Besser sei es, zu schauen, zu experimentieren und mit offenen Augen „wie ein Kind über den Tatort zu gehen und Fragen zu stellen“. Er betonte: „Mir geht es um die Wahrheit.“
Wie schwer diese zu finden ist, demonstrierte Benecke auch im zweiten Teil des Abends. Nun ging es darum, was Insekten an Leichen über Todeszeitpunkt und Tathergang verraten. Der Vortrag war spannend, aber drastisch. Angesichts der Nahaufnahmen von Wasserleichen und Mumien, Fäulnisspuren und Madenbefall drehte sich wohl manchem Zuschauer der Magen um. „Uns Biologen sind die objektiven Dinge wichtiger als die emotionalen“, kommentierte Schnellsprecher Benecke munter und verriet nebenbei: „Ich ekele mich vor Spinnen.“
Wer Beneckes Bücher und Medienauftritte kennt, dem dürfte manche Geschichte bekannt vorgekommen sein. Trotzdem vermittelte der Biologe seinem Publikum interessante und unterhaltsame Einsichten. An seiner Begeisterung für die Materie ließ er keinen Zweifel: Nicht während des Vortrags, als er wortreich durch seine Fallbeschreibungen jagte und Leucht-Lutscher und 4711-Tüchlein an besonders aufmerksame Zuschauer verschenkte. Und auch nicht in der Pause, als er Bücher signierte, Maden-Modelle vorzeigte - und dabei wirkte wie ein Wissenschafts-Popstar auf Doku-Tour.
