2007-03 Schwarzes Köln: Schwarze Nächte Teil II
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Quelle: Schwarzes Köln, März 2007, online Artikel
[All EBM Pages] [Schwarzes Köln: And One gab sich die Ehre] [Hier Schwarzes Köln: Interview mit Dr. Doom (Mark Benecke)] [Hier Astan Magazine: Interview with Mark Benecke]
[Calmando Qual (Twisted Clock): http://www.myspace.com/calmandoqual] [Baal: http://www.myspace.com/baaljapan] [SiSen: http://www.myspace.com/sisen]
Dr. Doom a.k.a. Mark Benecke (schwarz) & Saskia Reibe (bunt) in:
Schwarze Nächte, Teil II
Diesmal: Konzert von Geist, Baal und Calmando Qual im Underground
First Asian Industrial Invasion
Dr. Doom (schwarz) sah‘s so:
„Obwohl der Einlass schon für 18:30 Uhr angesetzt war (also am hellichten Tag!), ging‘s beruhigenderweise doch erst gegen 19:30 Uhr mit GEIST los. Die Jungs -- mit coolem Drummer, der tags über die Funktion von Taubengehirnen (Vögel) seine Doktorarbeit schreibt -- haben die von Oma Reibe schon erwähnte melancholische Ader, wobei der Sänger sich fett ins Zeug legt und mir durchaus ins Herz piekste.
Danach rückte BAAL an, deren Sängerin U-tarou wie eine Mischung aus Combichrist und einem Zombie aussieht. Dergestalt kann man bei mir sofort landen, so dass ich mir umgehend ihre backstage auf meinem Körper verewigte Unterschrift eintätowieren ließ. Dass die gute U- tarou auf der Bühne keinen Quatsch macht, sondern ihre ganze Angst und Kraft den Höllenmächten in die stinkende Fratze brüllt, ist fürs schrammelige '‚Underground‘ sicher mehr als angemessen.
Streng genommen ist die Musik von BAAL industrialisiert angehauchte Rockmusik; allerdings mit dem großen Unterschied, dass statt hageren Altherren hier Satans bzw. Astans Lucy über die Bühne rast. Die Mädchen im Publikum (Frauenanteil: neunzig Prozent) haben sich auch sehr am Guitarristen Mikito erfreut, der mit Blut, Schweiß und Farbe überströmt sein Bestes gab. Äußerst cooler Act!
Perfekte Ergänzung für die beiden Frontleute ist der nerdige Drummer Chihiro; man kann sich gut vorstellen, wie er durch Japans Unterwelt schleicht und dort auf der Suche nach einer neuen Gesichtsmaske -- die er beim Drummen zu tragen pflegt -- in die Sümpfe der Nacht talpt.
Die Frontliner CALMANDO QUAL (Twisted Clock) sind schon seit 2001 unterwegs, wären ohne den leider von einer nächtlichen Tankstellen- Frikadelle vergifteten ASTAN-Herausgeber Steff aber sicher nicht auf einer deutschen Minitour gelandet. Lob an Steff also! Das werte Publico im ‚Underground‘ liebte die Band, die ja auch schon beim Amphi-Festival 2006 im Industrial-Zelt rockte. Vor allem Frontboy Hibiki hats den Leutchen angetan und seine Show ist wirklich solide. Musikalisch liefern die Jungs lupenreinen Rock/Hardrock, der aber hier in Gestalt von, soweit ich es raffe, Visual Kei daherkommt.
Zuletzt -- und das fand ich fast am Geilsten -- legte DJ SiSen noch mal schönen frischen EBM auf, so dass sogar ich zum Befremden der Anwesenden mein Tanzbein wiegte. Im neuen ‚Astan‘ dürft ihr mich dann mit SiSen und dem abgeformten und beim Merchandising erhältlichen Penis einer der in diesem Artikel genannten Personen bewundern (siehe Foto).
Die anderen Fotos sind leider scheiße, weil meine Tatort-Kamera nach Jahren treuen Dienstes in Nebel, Regen und Wüsten ausgerechnet mitten im Konzert gestorben ist. Was ich von der SD-Karte mit FileSalvage noch retten konnte, seht ihr nebenan.“
Saskia (bunt) berichtet:
„Zwei Dinge sind mir bei der Ankuft bei der 1. Asian Industrial Invasion direkt aufgegangen: Erstens: Du bist eine der Ältesten hier und definitiv under- wenn nicht sogar wrong-dressed, und zweitens: Die Spiegelwand im ‚Underground‘ ist am heutigen Abend der wichtigste Bezugspunkt.
Ich wusste zwar, es kommen Bands aus Japan und die Mucke ist irgendwie Industrial, aber mir war nicht klar, dass genau diese Ankündigung die kleine Fanbase der Cosplay-Kids auf den Plan bringt. Ehrlich gesagt wußte ich nichtmal, dass es in Köln und Umgebung eben jene gibt. Aber die Mädels waren in bester Harajuku-Girls-Manier unterwegs und ich zog den Hut. Es gab von der Gothic Lolita über das Neon-Doll bis zum Sunshine-Girl alle möglichen sexy Outfits, deren Sitz natürlich sehr häufig überprüft werden musste, wie gesagt, zum Glück gab‘s die Spiegelwand.
Nach dem Einlass stürmten die Mädels vor die Bühne, das Underground wurde nicht mal annähernd voll, und es bildete sich schnell ein Altersgradient von hinten nach vorne zur Bühne. Hinten standen die Eltern und die Tonleute und nickten mit den Köpfen, vorne kreischten die Mädels in bester Fan-Laune.
Die Vorband GEIST startete mit Melancholie-Rock, der das Publikum eher unberührt ließ, zu aufgeregt und kreischig war die Stimmung um sich betrübt zu geben. Die Songs übers Sterben und Leiden standen irgendwie im Gegensatz zu den Herzchen-Vans und den Ringelkniestrümpfen.
Dann startete die Asian-Industrial-Invasion mit BAAL und das Gekreische und Hände-Recken nahm zu. Ich hatte auch das Gefühl, dass Applaudieren sooo last season ist, denn um sein Wohlwollen den Künstlern entgegenzubringen, wurde einfach noch mehr die Arme gereckt und noch mehr gekreischt.
Auf jeden Fall hatten alle Bock auf BAAL und ich fand die Frontfrau, trotz unbestimmbaren Alters, ziemlich cool. CALMANDO QUAL waren dann eher was rockiger und Gitarren-lastiger, was eigentlich mein Geschmack ist, hat dann aber irgendwie nach ein paar Songs mein Interesse verloren.
Outfitmäßig gewonnen hat natürlich unbestritten DJ Sisen, und spätestens als er am Mischpult stand, verstand ich wer den Dress-Code- Ton angibt.
Fazit: Musikmäßig hat mich das Event nicht so sehr vom Hocker gerissen, aber ich fand es Knüller zu sehen, dass der Japan-Mode- Trend hier in Köln über Hello Kitty hinaus reicht.“
