2006-03-16 APA: Nicht so chic wie im TV: Die Kriminalbiologie
From ForensicWiki
Quelle: Austria Press Agentur (Frühjahr 2006)
Nicht so chic wie im TV: Die Kriminalbiologie
Zwischen Schmeißfliegen und Käsekäfern - Maden als verlässliche
Helfer - Fauler Zauber um Graf Dracula
Wien/Köln (APA) - Zuerst kommen die Schmeißfliegen, später
Speckkäfer, Pelzkäfer, Teppichkäfer und irgendwann noch die
Käsekäfer. Dann beginnt die Leiche schon zu zerfließen, eben wie
Käse, "was auf Korsika ein Qualitätsmerkmal ist", sagt der deutsche
Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, der durch seine Auftritte in
TV-Serien wie "Medical Detectives" und "C.S.I." mitgeholfen hat, das
Interesse der Öffentlichkeit an Details der Gerichtsmedizin zu
wecken.
Der Befall einer Leiche mit Maden wird von der Gerichtsmedizin zur
Bestimmung des Todeszeitpunktes genützt, der wiederum den
Kriminalisten Rückschlüsse auf den Umstand des Todes und den Täter
ermöglicht. Die Methode wurde im Prinzip schon zum Ende des 19.
Jahrhunderts angewendet, aber erst später wissenschaftlich
verfeinert. "Einer der besten Wissenschafter auf diesem Gebiet ist
sicher der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter. Er hat schon
viele Inspirationen geliefert", betonte der in Köln tätige
"Madendoktor" Mark Benecke, der sich auf Einladung des
Österreichischen Detektivverbands am Dienstag zu einem Vortrag in
Wien aufhält, im Gespräch mit der APA.
Er selbst bildet mit seinem Team internationale Studenten in
forensischer Entomologie aus - "klassische Techniken, bei denen es
zunächst einmal darum geht, die Tiere anhand ihrer körperlichen
Merkmale zu erkennen. Das Problem ist, dass es keine neue Literatur
dazu gibt. Es geht dabei nicht darum, dass alles so chic ist wie im
Fernsehen. Entscheidend ist, dass die Arbeit im Feld durchgeführt
werden kann, wo keine tollen Labors zur Verfügung stehen."
"Es gibt Millionen Arten von Insekten, Hunderte davon können
Leichen befallen. Und ein paar Dutzend kommen häufig vor. Eine Leiche
in Kolumbien ist von anderen Insekten befallen als eine in
Mitteleuropa. Und hier gibt es wieder Unterschiede, ob ein Insekt
sich auf einer Leiche in Norddeutschland oder Österreich befindet -
der Schlüpfzeitpunkt kann unterschiedlich sein", erläuterte Benecke.
Der populäre Kriminalbiologe wird auch zu Veranstaltungen von
Seelsorgern eingeladen. "Der Tod als sichtbares Phänomen interessiert
auch Polizeipfarrer. Da bin ich demnächst bei einer
Riesenveranstaltung", sagte Benecke, der ab und zu auch anderen
Phänomenen auf den Grund geht: So brachte er Graf Dracula-Fans bei,
dass sich alle Erscheinungen, auf die man im Vampirismus trifft, mit
Fäulnisprozessen erklären lassen. Und die Verflüssigung des Blutes
des Heiligen Januarius, die drei Mal im Jahr auftritt und seit dem
14. Jahrhundert belegt ist, führt er auf eine chemische Reaktion aus
Eisen-Drei-Chlorid, Eierschalenkalk und Wasser zurück. Durch das
Bewegen der Ampulle, in der das angebliche Blut des neapolitanischen
Schutzpatrons aufbewahrt wird, verflüssigt sich der feste Stoff. Ein
Ausbleiben des so genannten Blutwunders gilt als böses Omen.
Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Emergency Text / SMS for crime cases only +49-173-287-3136. Absolutely no social networks & newsletters. Never send .doc, .ppt, .xml -- .rtf and .pdf only. Tx!
Wien/Köln (APA) - Zuerst kommen die Schmeißfliegen, später
Speckkäfer, Pelzkäfer, Teppichkäfer und irgendwann noch die
Käsekäfer. Dann beginnt die Leiche schon zu zerfließen, eben wie
Käse, "was auf Korsika ein Qualitätsmerkmal ist", sagt der deutsche
Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, der durch seine Auftritte in
TV-Serien wie "Medical Detectives" und "C.S.I." mitgeholfen hat, das
Interesse der Öffentlichkeit an Details der Gerichtsmedizin zu
wecken.
Der Befall einer Leiche mit Maden wird von der Gerichtsmedizin zur Bestimmung des Todeszeitpunktes genützt, der wiederum den Kriminalisten Rückschlüsse auf den Umstand des Todes und den Täter ermöglicht. Die Methode wurde im Prinzip schon zum Ende des 19. Jahrhunderts angewendet, aber erst später wissenschaftlich verfeinert. "Einer der besten Wissenschafter auf diesem Gebiet ist sicher der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter. Er hat schon viele Inspirationen geliefert", betonte der in Köln tätige "Madendoktor" Mark Benecke, der sich auf Einladung des Österreichischen Detektivverbands am Dienstag zu einem Vortrag in Wien aufhält, im Gespräch mit der APA.
Er selbst bildet mit seinem Team internationale Studenten in forensischer Entomologie aus - "klassische Techniken, bei denen es zunächst einmal darum geht, die Tiere anhand ihrer körperlichen Merkmale zu erkennen. Das Problem ist, dass es keine neue Literatur dazu gibt. Es geht dabei nicht darum, dass alles so chic ist wie im Fernsehen. Entscheidend ist, dass die Arbeit im Feld durchgeführt werden kann, wo keine tollen Labors zur Verfügung stehen."
"Es gibt Millionen Arten von Insekten, Hunderte davon können Leichen befallen. Und ein paar Dutzend kommen häufig vor. Eine Leiche in Kolumbien ist von anderen Insekten befallen als eine in Mitteleuropa. Und hier gibt es wieder Unterschiede, ob ein Insekt sich auf einer Leiche in Norddeutschland oder Österreich befindet - der Schlüpfzeitpunkt kann unterschiedlich sein", erläuterte Benecke.
Der populäre Kriminalbiologe wird auch zu Veranstaltungen von Seelsorgern eingeladen. "Der Tod als sichtbares Phänomen interessiert auch Polizeipfarrer. Da bin ich demnächst bei einer Riesenveranstaltung", sagte Benecke, der ab und zu auch anderen Phänomenen auf den Grund geht: So brachte er Graf Dracula-Fans bei, dass sich alle Erscheinungen, auf die man im Vampirismus trifft, mit Fäulnisprozessen erklären lassen. Und die Verflüssigung des Blutes des Heiligen Januarius, die drei Mal im Jahr auftritt und seit dem 14. Jahrhundert belegt ist, führt er auf eine chemische Reaktion aus Eisen-Drei-Chlorid, Eierschalenkalk und Wasser zurück. Durch das Bewegen der Ampulle, in der das angebliche Blut des neapolitanischen Schutzpatrons aufbewahrt wird, verflüssigt sich der feste Stoff. Ein Ausbleiben des so genannten Blutwunders gilt als böses Omen.
Der Befall einer Leiche mit Maden wird von der Gerichtsmedizin zur Bestimmung des Todeszeitpunktes genützt, der wiederum den Kriminalisten Rückschlüsse auf den Umstand des Todes und den Täter ermöglicht. Die Methode wurde im Prinzip schon zum Ende des 19. Jahrhunderts angewendet, aber erst später wissenschaftlich verfeinert. "Einer der besten Wissenschafter auf diesem Gebiet ist sicher der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter. Er hat schon viele Inspirationen geliefert", betonte der in Köln tätige "Madendoktor" Mark Benecke, der sich auf Einladung des Österreichischen Detektivverbands am Dienstag zu einem Vortrag in Wien aufhält, im Gespräch mit der APA.
Er selbst bildet mit seinem Team internationale Studenten in forensischer Entomologie aus - "klassische Techniken, bei denen es zunächst einmal darum geht, die Tiere anhand ihrer körperlichen Merkmale zu erkennen. Das Problem ist, dass es keine neue Literatur dazu gibt. Es geht dabei nicht darum, dass alles so chic ist wie im Fernsehen. Entscheidend ist, dass die Arbeit im Feld durchgeführt werden kann, wo keine tollen Labors zur Verfügung stehen."
"Es gibt Millionen Arten von Insekten, Hunderte davon können Leichen befallen. Und ein paar Dutzend kommen häufig vor. Eine Leiche in Kolumbien ist von anderen Insekten befallen als eine in Mitteleuropa. Und hier gibt es wieder Unterschiede, ob ein Insekt sich auf einer Leiche in Norddeutschland oder Österreich befindet - der Schlüpfzeitpunkt kann unterschiedlich sein", erläuterte Benecke.
Der populäre Kriminalbiologe wird auch zu Veranstaltungen von Seelsorgern eingeladen. "Der Tod als sichtbares Phänomen interessiert auch Polizeipfarrer. Da bin ich demnächst bei einer Riesenveranstaltung", sagte Benecke, der ab und zu auch anderen Phänomenen auf den Grund geht: So brachte er Graf Dracula-Fans bei, dass sich alle Erscheinungen, auf die man im Vampirismus trifft, mit Fäulnisprozessen erklären lassen. Und die Verflüssigung des Blutes des Heiligen Januarius, die drei Mal im Jahr auftritt und seit dem 14. Jahrhundert belegt ist, führt er auf eine chemische Reaktion aus Eisen-Drei-Chlorid, Eierschalenkalk und Wasser zurück. Durch das Bewegen der Ampulle, in der das angebliche Blut des neapolitanischen Schutzpatrons aufbewahrt wird, verflüssigt sich der feste Stoff. Ein Ausbleiben des so genannten Blutwunders gilt als böses Omen.
Mark Benecke, Ph.D., Certified & Sworn In Forensic Biologist, International Forensic Research & Consulting, Postfach 250411, 50520 Cologne, Germany; E-Mail: forensic@benecke.com, www.benecke.com, Emergency Text / SMS for crime cases only +49-173-287-3136. Absolutely no social networks & newsletters. Never send .doc, .ppt, .xml -- .rtf and .pdf only. Tx!
