2001-09-04 SZ: TV-Kritik "Der Madendoktor" (SWR)
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Was übrig bleibt
TV-Kritik: "Der Madendoktor" (SWR)
Von Christiane Kögel
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 4. September 2001, Seite 17
Der Mann betreibt Kriminalbiologie, ein Randgebiet eines Randgebiets, wie er selbst sagt. Benecke ist einer von vielleicht einer Hand voll Experten auf der Welt, die sich mit dem Insektenbefall von Faulleichen befassen; er wurde in Amerika geschult und hat sich mittlerweile selbstständig gemacht als Gerichtsgutachter und Berater.
Die Filmschülerin Sandra Hacker hat Benecke zur Hauptfigur ihres einstundigen Dokumentarfilms Der Madendoktor erkoren, hat sich von ihm Fotos Verwester erklären lassen, Käfer gefilmt, die aus toten Tieren krabbeln und gefräßige Maden auf ihrem Weg in eine Kalbsleber beobachtet ("Siehste, wie sie verschwindet? So ist das auch bei Faulleichen.").
Die schwer verdaulichen Bilder unterlegt Hacker mit guter Musik und dem typischen Surren von Stubenfliegen, die Kamera imitiert Insekten-Flüge - klingt, sagen wir mal: ungewöhnlich bei diesem Thema, ist aber an sich eine frische, junge Art des dokumentarischen Filmens. Die passt zu Benecke, der ein extrovertierter, flippiger Typ ist, in Life-style-Publikationen, Radioshows und Fernsehrunden auftaucht und sich morgens unter der Dusche ablichten lässt. Hackers Dokumentation über ihn lebt von Kontrasten: Sie schwenkt von Beneckes Bericht über Kolumbien ("viele Leichen, warmes Klima, schnelle Verwesung") direkt zu seinem genüsslichen Verzehr eines Gebäckteilchens.
Der Madendoktor war Auftakt der neuen Staffel "Junger Dokumentarfilm" im SWR, die schon im vergangenen Jahr bemerkenswerte, unverstellte Nachwuchsfilme gezeigt hat. Drei weitere Beiträge folgen; sie beschäftigen sich mit den Hoffnungen und Erfahrungen einer Jugendclique, die sich nach zehn Jahren wieder trifft (So jung kommen wir nicht mehr zusammen, 10. September), den helfenden Händen einer kleinen Theaterbühne (Hands up, 17. September) und der Frage nach dem Glück (Der Wind ist aus Luft, 24. September). Filme der "MTV-Generation" nennt sie der zuständige Redakteur: Sie nutzten alle technischen Möglichkeiten, ganz ohne Berührungsängste. Vor allem aber haben sie keine Scheu vor der Wirklichkeit.
(c) Christiane Kögel/SZ.
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